Interview mit der Fair Fashion Expertin - Aysulu

Interview mit der Fair Fashion Expertin - Aysulu

Interview des Monats #Mai2021

Ich habe im April ein ganz interessantes Gespräch mit der Fair Fashion Expertin -  Aysulu durchgeführt und heute möchte ich unser Gespräch mit euch teilen. Es geht um  faire Mode, nachhaltigem Denkweise, Minimalismus als Lebensstil, und dem ersten Ambassador von SULUU. 
beautiful girl wearing oversized shirt made of bio baumwolle
@behind.your.brand
Hallo Aysulu, erzähle über dich, woher kommst du und was machst du?

Ich wohne seit langer Zeit in Würzburg und habe in dieser Stadt den großen Teil meines Lebens verbracht. Ich habe hier zwei Abschlüsse gemacht. Beide in kaufmännischer Richtung. Zum einen bin ich die Einzelhandelskauffrau und zum anderen die Betriebswirtin.

Aktuell arbeite ich an meinem Konzept einer Fair Fashion Agentur. Diese habe ich vor ein paar Monaten gegründet. Ich sehe mich an erster Stelle in der Rolle der Modeagentin bzw. der Handelsvermittlerin. Das heißt ich bin das Bindeglied zw. den (fairen) Modeherstellern und den Kunden. An zweiter Stelle sehe ich mich als Expertin in Fragen: Handel, Business Development, Expansion, sprich Eroberung neuer Märkte. Wenn ich von den neuen Märkten spreche, dann meine ich in diesem Fall alle russischsprachigen Länder wie Russland, Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, Kirgistan, wo auch ich her komme. An dieser Stelle kommt mir meine nächsten Fähigkeiten zunutze – und zwar die interkulturellen und die sprachlichen Kompetenzen.

Durch meine Herkunft und die internationale Umgebung hier in Deutschland habe ich die Mentalitäten besser verstehen können. Was heißt das? Jede Kultur kennzeichnet sich in ihrer Art zu leben, zu lieben und Sachen anzugehen. Genau das soll man auch in den globalen Geschäftsbeziehungen beachten, um die andere Kultur, um das Gegenüber besser verstehen und auf ihn besser eingehen zu können. Das Ziel jedes Handelns ist die eigenen Interessen zu vertreten, ohne die Grenzen der anderen (zu weit) zu überschreiten. Das kann nicht jeder, vor allem in einer multikulturellen und volatilen Welt. Menschen mit sozio-kulturellen Erfahrungen bzw. mit einem hohen emotionalen Intellekt werden gebraucht wie nie zuvor. Das ist meine Stärke, das kann ich von mir behaupten, ohne mich dabei verlegen zu fühlen.

Deine Vision und was möchtest du erreichen?

Meine Vision ist vorallererst nützlich für diese Welt und für die Menschen um mich herum zu sein. Ich möchte mein jahrelang gesammeltes Wissen und all die Erfahrungen mit Menschen teilen. Das ideale Szenario für mich, wenn der Kunde zu mir sagt: „Ohne dich hätte ich das nicht geschafft!“

Ich möchte so gern durch faire Mode und fairen Handel eine Brücke zwischen den Kulturen schaffen. Daraus soll eine Synergie entstehen, wo Wissen, Erfahrungen, Traditionen, Handwerk und vieles mehr ausgetauscht wird. Es geht nicht um reinen Handel bzw. um die bloße Vermittlung der Ware. Ich suche an erster Stelle Menschen, Modedesigner und Brands, die nachhaltig in allen ihrer Unternehmensbereichen denken, handeln und produzieren. Und in diesem Fall ist es belanglos, ob die Marke bspw. aus Russland nach Deutschland oder in umgekehrte Richtung ihren Weg sucht. Ich helfe in beide Richtungen. Voraussetzung sind die Werte der Hersteller, die wir gemeinsam teilen. Das sind Fairness, Nachhaltigkeit, Transparenz, Ehrlichkeit, Toleranz und Menschsein.

Du bist Minimalistin. Bitte erzähle uns, wie du dazu kamst und warum?

Ich würde mich auf keinen Fall als Minimalistin bezeichnen. Wo ist das Maßstab der Dinge? Wo fängt es an und wo endet das? Ich bin nicht perfekt und deshalb versuche ich meine einzelnen Lebensbereiche durch bspw. bewussten Konsum, durch weniger Besitz, durch nachhaltige Ansätze step by step zu optimieren. Alles andere ist utopisch und radikal, und das möchte ich nicht sein.

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Aysulu trägt das oversized Hemd in Grau aus 100% Bio-Baumwolle. 

Wo soll man mit dem bewussten Konsum anfangen?

Bei sich selbst! Definitiv! Jedes Tun und Handeln, das über die alltäglichen Entscheidungen hinausgeht, soll wohlüberlegt sein. Wenn jemand diesen Weg auf sich nimmt, würde ich sagen, soll er oder sie sich erstmal fragen: „Wozu?“ „Warum möchte ich bewusst leben?“ „Aus welcher Überzeugung?“ „Was motiviert mich bewusst zu konsumieren?“ Erst wenn man diese Fragen aufrecht beantwortet hat, kommt man zur Energie- bzw. Motivationsquelle diesen Ansatz nachhaltig zu leben und ihn in die unterschiedliche Lebensbereiche zu integrieren.

Was ist nachhaltige Mode, nachhaltige Fashion für dich?

Auf diese Frage könnte man mit der anderen nicht weniger kritischen Frage antworten: bei wem liegt die Verantwortung? Sind es wir oder wieder die anderen?

Das Problem ist, dass es keine einheitliche Definition des „Nachhaltigseins“ gibt. Was für einen nachhaltig oder gut ist, ist in den Augen des anderen komplette Ausbeutung oder Verschwendung der Ressourcen.

Jeder soll bei sich selbst anfangen und sich fragen, wo kann ich ansetzen, was kann ich besser oder anders machen?

Wenn du mich fragst, dann sind mir folgende Kriterien im Fashion Bereich wichtig: Stoffe, Herstellung, Arbeitsbedingungen, Prozesse, Lieferketten und die Transparenz hinter dem Ganzen.

Wo siehst du die Stärken und das Potenzial im Bereich Fair Fashion?

Dass wir den Planeten weniger bzw. auf eine schonendere Art und Weise beanspruchen. So viel Kleider brauchen wir eigentlich nicht. Das Potenzial sehe ich tatsächlich beim Thema Kreislaufwirtschaft – Circular Economy. Ich bin persönlich sehr angetan von Sharing Konzepten, die auch in Deutschland bereits seit ein paar Jahren existieren. Das heißt, man kann sich bspw. Sachen für einen gewissen Zeitraum ausleihen. Das Thema Second Hand ist auch nicht weniger wichtig und kann in meinen Augen das klassische Konsumieren ersetzen. Das sind weit mehr als kaputtgetragene Kleider. Es können auch schöne, guterhaltene Kleidungsstücke sein, die ein zweites Leben verdient haben.

Du bist jetzt Ambassador von SULUU, was hat dich dazu bewegt?

Zuallererst die Menschen hinter dem Konzept. Ich glaube, wir sind uns nicht einfach so begegnet. Wir verfolgen ähnliche Ziele und haben ähnliche starken Werte. Das ist mir wichtig! Zum anderen möchte ich solchen Konzepten wie deinem mit meiner Expertise und meinem Know How helfen, weiterzukommen und bekannter zu werden. Ich glaube fest daran, dass mit gemeinsamer Kraft - mit vielen anderen „grünen“ Herstellern, Geschäftsmännern und -Frauen – wir der Modeindustrie zeigen könne, dass es auch anders geht. Ich sehe mich als Konzeptbotschafter, der hinter dem Großen und Ganzen steht und nicht hinter einer Marke, die vermarktet werden möchte. Das bin ich nicht! Darum, wie ich schon sagte, such ich an erster Stelle Menschen und dann den Rest. Wir haben uns definitiv gefunden und sollen diese Beziehung ausbauen. 

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Aysulu trägt das Hemdkleid in Khakifarbe aus 100% Lyocell. 

Ähnliche Lyocell Bluse in Blau oder Weiß

 

 

 

 

 

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